Bilder und (ausführlicherer) Bericht folgen demnächst, bis dahin gibt es erstmal unsere Pressemitteilung zu lesen:
Über 500 Menschen protestieren in Nürnberg gegen den G8-Gipfel
Über 500 Menschen protestierten heute im Rahmen eines Aktionstages unter dem Motto „Gemeinsam gegen G8 – Eine andere Welt ist möglich und nötig“ in Nürnberg gegen die Politik der G8-Staaten. Aufgerufen hatte das vom Sozialforum Nürnberg initiierte lokale Anti-G8-Bündnis, dem sich über 35 Gruppen, Organisationen und Initiativen aus Nürnberg, Fürth und Erlangen anschlossen. Das Spektrum der beteiligten Gruppen reichte von revolutionären Linken über einzelne Gewerkschaftsgliederungen bis zu christlichen Gruppen. Mit Hilfe von Infoständen konnten sich interessierte VeranstaltungsteilnehmerInnen und PassantInnen bereits am frühen Nachmittag über die Politik der G8 und die Kritik daran informieren. Verschiedene Stände luden zum mitmachen ein. Es gab Wissensspiele, Stelzenläufer, Ausstellungen und vieles mehr zu sehen. Auch im Bühnenprogramm wurde die neoliberale Politik der G8-Staaten eindrucksvoll satirisch demaskiert.
Die Auftaktkundgebung zur Demonstration wurde eingeleitet von einer Sprecherin des Sozialforums, die dazu aufrief, die Verhältnisse nicht so hinzunehmen wie sie sind und gemeinsam einer besser Welt zu schaffen. Weiter gab es Redebeiträge zu den Themen Klimapolitik, Migration, Krieg und Soziales. Alle RednerInnen waren sich einig, dass die G8 in diesen Bereichen keine Lösungen anbieten können. Zwischen den Redebeiträgen heizte eine Nürnberger Hip-Hop-Crew den mittlerweile etwa 500 TeilnehmerInnen der Kundgebung gehörig ein.
Stadt verhinderte mit haarsträubendem Konstrukt Protest vor Novartis
Die Demonstration zog dann lautstark mit „Block G8“-Rufen Richtung Gostenhof. Eigentlich sollte die eine Zwischenkundgebung vor der Niederlassung des Pharmakonzerns Novartis in der Roonstraße stattfinden. Doch mit Hilfe eines abenteuerlichen Konstrukts gelang es der Stadt Nürnberg und der Polizei durchzusetzen, dass die Demonstration nicht an Novartis vorbeilaufen konnte. Im Rahmen der gerichtlichen Auseinandersetzung waren Stadt und Polizei noch nicht einmal davor zurückgeschreckt, ohne Beweise gegenüber dem Gericht zu behaupten, im Bündnis beteiligte Gruppen hätten einen Farbanschlag auf die Novartis-Niederlassung verübt. Der Pharmakonzern versucht derzeit, gegen günstige Nachahmeprodukte in Indien gerichtlich vorzugehen, was die Versorgung vieler tausend armer Menschen mit lebensnotwendigen Nachahme-Medikamenten gefährdet.
„Novartis profitiert, neben vielen anderen Großkonzernen, davon, dass internationale Wirtschafts-Abkommen Profit über Menschenleben stellen. Am kommenden G8-Gipfel wollen die G8-Staaten, allen voran Deutschland, das Patentrecht noch profitabler für die Konzerne gestalten. Das die Stadt Nürnberg nun diesen Konzern vor berechtigter Kritik schützt, indem sie das Demonstrationsrecht mit an den Haaren herbeigezogenen Gefahrenprognosen beschneidet, ist ein politischer Skandal.“ so Christian Hartmann, ein Sprecher des lokalen Anti-G8-Bündnisses.
Die Zwischenkundgebung fand nun in einiger Entfernung von Novartis statt. In einem Redebeitrag wurde noch mal auf die tödlichen Konsequenzen, die gerade bei Medikamenten mit Eigentumsrechten verbunden sind, hingewiesen.
Zur zweiten Hälfte der Demonstration wich der strahlende Sonnenschein einem heftigen Platzregen. Doch die meisten DemonstratInnen trotzten selbst kieselsteingroßen Hagelkörnern. Laut und kraftvoll – für manche PassantInnen oder Cafe-Besucher sicher überraschend – zog die Demonstration durch die Innenstadt, über den Hallplatz, am Frauentorgraben entlang zurück zum Weißen Turm. Dort erwarteten die durchnässten aber immer noch entschlossenen und lautstarken DemonstrantInnen noch die neuesten Informationen zum Protest gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm, an dem sich auch viele NürnbergerInnen beteiligen werden.
„Wir hoffen auf einen Gipfel des Protests in Heiligendamm“
„Alles in allem ein gelungener Aktionstag“ resümiert Christian Hartmann. „Wir haben mit dem Programm und den Infoständen am Weißen Turm sicher viele Menschen erreicht. Die Demonstration war lautstark und mit 500 TeilnehmerInnen auch gut besucht. Es ist uns sicherlich gelungen, damit den G8-Gipfel eine Woche vor der Großdemonstration in Rostock in Nürnberg zum Thema zu machen. Wir hoffen auf einen Gipfel des Protests in Heiligendamm und freuen uns, dass so viele unterschiedliche Gruppen diesen Tag und die Mobilisierung in Nürnberg erfolgreich gemeinsam gestaltet haben.“
Thomas Zeitler fügt hinzu: „Ich denke, wir haben deutlich gemacht, dass wir unseren Protest nicht von Herrn Schäuble oder Frau Merkel für ihre Zwecke instrumentalisieren lassen. Wir demonstrieren nicht für ihre Propagandalügen einer besseren Globalisierung, sondern gegen ihre Politik. Die G8 sind nicht die Retter aus den Krisen und Katastrophen dieser Welt, sondern ihre Verursacher.“